Was ist der »Grieser Weg«?

Die kontemplativen Exerzitien nach P. Franz Jalics SJ führen schrittweise in das stille Verweilen vor Gott.

Was ist der »Grieser Weg«?
Kontemplatives Gebet ist Hingabe, Gottesdienst und Gotteslob mit dem Sein. Für Gott da sein. (Franz Jalics)

Der Name

P. Franz Jalics SJ gilt als ein Pionier für die Aktualisierung der Exerzitien des Ignatius von Loyola in die heutige Zeit. Das von Franz Jalics 1984 gegründete Haus Gries hat sich zum „Mutterhaus“ der kontemplativen Exerzitien in Deutschland entwickelt. Daher wird dieser kontemplative Weg auch Grieser Weg genannt. Es gibt im deutschsprachigen Raum mehr als 120 Meditationsgruppen, die den Grieser Weg praktizieren.


Kontemplative Exerzitien

Das Wort „Kontemplation“ kommt vom lateinischen Verb „contemplari“ und bedeutet „betrachten, schauen“. Es geht beim kontemplativen Gebet darum, das Wirken Gottes in uns und unserem Leben wahrzunehmen. Gott ist da, aber wir nehmen ihn nicht wahr. Daher ist es für unsere Gottesbeziehung wesentlich, Wahrnehmen zu lernen. Exerzitien sind eine Schule der Wahrnehmung. Wir üben ein, ganz im Hier und Jetzt zu sein mit Wachheit und Interesse. In einer Atmosphäre der Stille, des aufmerksamen Gewahrseins und unter Anleitung werden wir empfänglich für das Wirken Gottes.

Jesusgebet

Das Jesusgebet ist ein beziehungsorientiertes Gebet in der Ich-Du-Beziehung zwischen Beter und Gott, geprägt von der Ausrichtung auf Jesus Christus, der „Weg, Wahrheit und Leben“ (Joh 14,6) ist. Es ist eine Gebetsweise, die seit langer Zeit im Christentum praktiziert wird. Die Wurzel ist das sogenannte Ein-Wort-Gebet der Wüstenväter und Wüstenmütter, die im 4. Jahrhundert in der ägyptischen Wüste und in Palästina lebten. Ein kurzes Gebetswort wird in einer ruhigen Sitzhaltung in Stille, verbunden mit dem Rhythmus des Atems, innerlich gesprochen und verkostet. Indem wir mit unserer Aufmerksamkeit wach und interessiert bei diesem Wort bleiben, kommen wir tiefer in Kontakt mit der Gegenwart Gottes und dem Göttlichen und Menschlichen in uns.

Kennzeichen und Wirkungen des Grieser Weges

  • Der Grieser Weg zeichnet sich durch eine klare Methodik aus. Er führt in konkreten Übungsschritten hin zum Jesusgebet als eine in ihrer Form ganz einfachen Gebetsweise. Ebenso lernen die Teilnehmenden an den Kursen alltagstaugliche kontemplative Grundhaltungen kennen und üben diese ein.
  • Das kontemplative Gebet ist zweckfrei und zielt nicht auf Leistung und Erfolg. Wir dürfen wahrnehmen, was ist und wie es ist – und das genügt. Wir dürfen mit unseren Stärken und Schwächen vor Gott da sein. Wir müssen nichts erreichen. Es ist ein Weg vom Sollen zum Sein.
  • Beten macht uns authentischer und feinfühliger. Das feinere Gespür für unsere innere Verfasstheit bringt uns auch in Kontakt mit dem, was verletzt und verwundet in uns ist. Diese Wunden können in Gottes Gegenwart heilen. So kann sich nach und nach eine wachsende, befreiende Versöhnung mit unserem Leben und unserer Geschichte ereignen.
  • Im gemeinsamen Beten und Meditieren mit dem Namen „Jesus Christus“ erfahren wir uns als Gemeinschaft um Jesus als Leib Christi. Wir haben teil an den Glaubenserfahrungen anderer und erleben uns als gemeinsam auf dem Weg.
  • Beten lernen heißt Beziehung lernen. Der Grieser Weg führt zu einer lebendigen Gottesbeziehung und zu echten Beziehungen zum Nächsten und auch zu mir selbst.

Übungsschritte auf dem Grieser Weg

Unsere Aufmerksamkeit braucht Tore, durch die hindurch sie sich wie in einem Brennglas bündeln kann und in einen Raum der Stille und Gottesgegenwart führt. Statt uns zu zerstreuen, lernen wir uns zu sammeln. Auf dem Grieser Weg erkunden wir schrittweise fünf Tore:

  • Wir beginnen mit Wahrnehmungsübungen in der Natur.
  • Es folgen Körperwahrnehmungsübungen, indem wir den Atem auf seinem Weg durch den Körper begleiten.
  • Dann erkunden wir die Hände und das Spüren der Handmitten als ein Tor, das uns in die Gegenwart führen kann.
  • Dann führen wir in die Meditation mit einem inneren Wort.
  • Im Zentrum des Gebetsweges steht die beständige, aufmerksame und liebevolle Anrufung des Namens „Jesus Christus“.

Kontemplative Grundhaltungen

Wir lernen nicht nur eine Gebetsweise kennen, sondern wir üben uns ein in kontemplative Grundhaltungen des Lebens.

  • Erst Wahrnehmen – statt sofort ins Denken und Handeln zu gehen
  • Dinge zunächst da sein und wirken lassen – statt sie sofort verändern zu wollen
  • Auch einmal das Steuer aus der Hand zu geben und zu vertrauen – statt alles selbst im Griff zu haben
  • Ausrichtung auf die Gegenwart Gottes – statt Drehen um mich selbst

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